Wachstum mit Weitblick

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Schwaz steht vor wichtigen Weichenstellungen. Die Diskussion um die mögliche Umwidmung einer rund 3 Hektar großen Fläche in ein reines Wohngebiet bewegt derzeit viele Menschen. Verständlich – Wohnraum ist ein wertvolles Gut. Das Bezirksblatt hat den zuständigen Referenten Vizebürgermeister Martin Wex dazu befragt.

Stadtentwicklung braucht Planung, nicht Aktionismus

Stadtentwicklung darf nicht auf Zuruf passieren. Es geht dabei um langfristige, überlegte und faktenbasierte Entscheidungen, die unsere Stadt über Jahrzehnte prägen. Wir müssen uns ehrlich fragen: Wie schnell wollen wir wachsen? Wie? Wo? Und vor allem: Für wen?

Ein Projekt dieser Größenordnung – 30.000 m² bebaute Fläche, was 600 bis 700 zusätzliche Einwohner bedeuten würde – zieht erhebliche Folgekosten nach sich. Neue Einwohner, viele davon durch Zuzug, bedeuten neue Bedürfnisse: Kindergärten, Schulen, Pflegeeinrichtungen, Kanäle, Wasserleitungen, und vieles mehr. Diese Infrastruktur kostet – in Bau, Betrieb und Erhaltung. Einnahmen aus der Kommunalsteuer bleiben dabei aus, da reine Wohngebiete kaum zur Finanzierung dieser Folgekosten beitragen.

Uns muss bewusst sein, dass ein einseitiges Wachstum in Richtung „Wohnstadt“ langfristige Belastungen erzeugt, die am Ende alle Bürgerinnen und Bürger tragen müssen, betont Wex.

Unsere Aufgabe ist es, Wachstum steuerbar und nachhaltig zu gestalten – nicht überhastet und nicht getrieben von Einzelinteressen.

Realistischer Blick auf den Bedarf

Wir dürfen auch die demografische Entwicklung und den tatsächlichen Wohnraumbedarf nicht ausblenden. In unserer Stadt entstehen derzeit mehrere Wohnbauprojekte bzw. sind in Planung. Zudem stehen viele Wohnungen leer oder können nur sehr schwer vermietet werden. Sanieren und verdichten, wie derzeit in der Freiheitssiedlung, sind für mich dabei der richtige städtebauliche Ansatz. Auf Grund vieler bereits als Bauland gewidmeter Flächen wird es in Schwaz aber auch künftig Neubauprojekte geben.

Gemeinsam nach intelligenten Lösungen suchen

Flächen in dieser Größenordnung sind aber auch ein enormes Potenzial und können einen echten Mehrwert für die Stadt bieten. Das sah auch der Gemeinderat mehrheitlich so und stimmte einer reinen Wohnverbauung nicht zu. Ich bin froh, dass wir nun das Tempo aus dem Projekt nehmen und uns die nötige Zeit verschaffen, das Projekt seriös aufzubereiten und gemeinsam, damit meine ich überfraktionell und mit dem Eigentümer, ernsthaft und respektvoll auszuarbeiten. Bereits in den nächsten Tagen beginnen wir mit der Ausarbeitung eines städtebaulichen Konzepts, bei deren Erstellung wir uns professionell von externen Experten begleiten lassen.

„Stadtentwicklung ist für mich kein Sprint, sondern verantwortungsbewusstes Handeln und Planen im Sinne kommender Generationen“, so Wex abschließend.

Foto: Dietmar Walpoth